Ratgeber · Stand: Oktober 2026
Mahnung schreiben: Zahlungserinnerung, Mahnstufen und Verzugszinsen
Eine Mahnung ist eine klare Aufforderung zu zahlen, nachdem die Rechnung fällig ist. Wie viele Mahnungen Sie schicken, schreibt kein Gesetz vor. Ein Unternehmen als Kunde kommt spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung in Verzug. Dann schuldet es Zinsen von 10,52 % im Jahr und 40 Euro Pauschale.
Zahlungserinnerung oder Mahnung: Was ist der Unterschied?
Rechtlich meist keiner. Das Gesetz kennt nur die Mahnung. Sie muss nach der Fälligkeit kommen und eindeutig zur Zahlung auffordern (§ 286 Abs. 1 BGB).[1] Eine höfliche „Zahlungserinnerung“ erfüllt das, wenn sie nach Fälligkeit verschickt wird und klar zur Zahlung auffordert. Der Name ist eine Frage des Tons, nicht des Rechts.
Eine Erinnerung vor dem Fälligkeitstag zählt nicht als Mahnung. Sie setzt keinen Verzug in Gang.
Wann ist der Kunde in Verzug?
Verzug ist wichtig, denn erst ab dann schuldet der Kunde Zinsen und Kosten. § 286 BGB nennt drei Wege:[1]
| Weg | Wann der Verzug beginnt |
|---|---|
| Mahnung, Abs. 1 | Mit Zugang einer Mahnung nach Fälligkeit |
| Datum nach dem Kalender, Abs. 2 Nr. 1 | Am Tag nach dem vereinbarten Zahlungstermin, ohne Mahnung. Ein Datum, das nur auf der Rechnung steht, reicht dafür meist nicht. Es muss vereinbart sein. |
| 30 Tage, Abs. 3 | Spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung. Bei Verbrauchern nur, wenn die Rechnung auf diese Folge besonders hinweist. |
Der Kunde kommt nicht in Verzug, solange er die Verspätung nicht zu vertreten hat (§ 286 Abs. 4 BGB). Beweisen müssen Sie im Streit den Zugang von Rechnung und Mahnung. Deshalb lohnt sich bei größeren Beträgen ein Versand, der den Zugang belegt.
Welche Mahnstufen sind üblich?
Drei Schreiben sind gängige Praxis. Pflicht ist keines davon, schon eine Mahnung genügt für den Verzug.
| Stufe | Wann | Inhalt |
|---|---|---|
| Zahlungserinnerung | Etwa 7 Tage nach Fälligkeit | Freundlich, Betrag, Rechnungsnummer, neue Frist von 7 Tagen |
| 1. Mahnung | Nach Ablauf der Frist | Offener Betrag, Verzugszinsen, bei Unternehmen 40 Euro Pauschale, Frist von etwa 10 Tagen |
| 2. Mahnung | Nach Ablauf der zweiten Frist | Letzte Frist und Hinweis auf das gerichtliche Mahnverfahren |
Danach folgt kein weiteres Schreiben, sondern der Mahnbescheid oder ein Anwalt. Kündigen Sie nur an, was Sie auch tun.
Wie hoch sind die Verzugszinsen 2026?
Die Höhe richtet sich nach dem Basiszinssatz (§ 247 BGB). Ihn gibt die Deutsche Bundesbank jeweils zum 1. Januar und 1. Juli bekannt. Seit dem 1. Juli 2026 beträgt er 1,52 %. Vom 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2026 waren es 1,27 %.[2][3]
| Schuldner | Zinssatz nach § 288 BGB | Seit 1.7.2026 |
|---|---|---|
| Verbraucher beteiligt | Basiszinssatz plus 5 Prozentpunkte (Abs. 1) | 6,52 % |
| Kein Verbraucher beteiligt | Basiszinssatz plus 9 Prozentpunkte (Abs. 2) | 10,52 % |
Die Formel: offener Betrag × Zinssatz × Tage im Verzug ÷ 365.[1] Der nächste Basiszinssatz gilt ab 1. Januar 2027. Läuft der Verzug über einen Stichtag, rechnen Sie die Zeiträume getrennt. Zinseszinsen dürfen Sie nicht verlangen (§ 289 BGB).
Rechenbeispiel: Verzugszinsen und Pauschale
Eine Kanzlei stellt einer GmbH 2.380,00 Euro in Rechnung (2.000 Euro netto plus 19 % USt). Die Rechnung geht am 1. Juli 2026 zu und ist sofort fällig. Ein Zahlungstermin ist nicht vereinbart. Die GmbH zahlt erst am 30. September 2026.
- Verzug nach § 286 Abs. 3 BGB: Die 30 Tage laufen vom 2. bis 31. Juli. Verzug ab 1. August 2026.
- Verzugstage: 1. August bis 30. September, das sind 61 Tage.
- Zinssatz: 1,52 % plus 9 Punkte = 10,52 %.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Offene Rechnung | 2.380,00 € |
| Zinsen: 2.380,00 € × 10,52 % × 61 ÷ 365 | 41,84 € |
| Pauschale nach § 288 Abs. 5 BGB | 40,00 € |
| Forderung am 30.09.2026 | 2.461,84 € |
Wäre der Kunde ein Verbraucher und hätte die Rechnung auf die 30-Tage-Folge hingewiesen, wären es 6,52 % und damit 25,93 Euro Zinsen, ohne Pauschale. Ohne diesen Hinweis beginnt der Verzug bei Verbrauchern erst mit der Mahnung. Manche Rechner zählen den ersten Tag anders. Ein Tag mehr oder weniger ändert das Ergebnis hier um etwa 69 Cent.
Wann gibt es die 40-Euro-Pauschale?
Wenn der Schuldner kein Verbraucher ist und sich mit einer Entgeltforderung in Verzug befindet. Das gilt auch für Abschlags- und Ratenzahlungen. Die Pauschale wird auf spätere Kosten der Rechtsverfolgung angerechnet, etwa auf Anwaltskosten (§ 288 Abs. 5 BGB).[1] Sie fällt je Forderung an, nicht je Mahnung.
Bei Verbrauchern gibt es keine Pauschale. Sie können nur tatsächliche Kosten als Verzugsschaden verlangen, etwa Porto. Das Schreiben, das den Verzug erst auslöst, ist nach überwiegender Ansicht nicht erstattungsfähig. Pauschale „Mahngebühren“ von 5 oder 10 Euro sind deshalb riskant.
Was gehört in eine Mahnung?
- Rechnungsnummer, Rechnungsdatum und offener Betrag
- Eine klare Aufforderung zu zahlen, mit Datum als Frist
- Bankverbindung und Verwendungszweck
- Ab der 1. Mahnung: Zinsen mit Zeitraum und Zinssatz, bei Unternehmen die 40 Euro
- Bereits eingegangene Teilzahlungen
- In der letzten Mahnung: was nach Ablauf der Frist passiert
Ein kurzes Beispiel für eine Zahlungserinnerung:
Zahlungserinnerung zur Rechnung RE-2026-0142 vom 1. Juli 2026
Sehr geehrte Damen und Herren,
zu unserer Rechnung RE-2026-0142 über 2.380,00 Euro haben wir noch keinen Zahlungseingang festgestellt. Die Rechnung war am 1. Juli 2026 fällig. Bitte überweisen Sie den Betrag bis zum 15. August 2026 auf das unten genannte Konto. Sollte sich Ihre Zahlung mit diesem Schreiben überschnitten haben, betrachten Sie es bitte als gegenstandslos.
Mit freundlichen Grüßen
Wie funktioniert das gerichtliche Mahnverfahren?
Zahlt der Kunde auch nach der letzten Frist nicht, können Sie einen Mahnbescheid beantragen (§§ 688 ff. ZPO). Dafür brauchen Sie keinen Anwalt. Der Antrag geht an das zentrale Mahngericht Ihres Bundeslandes, am einfachsten online über das Portal der Justiz.[5] Das Gericht prüft nicht, ob die Forderung besteht.
- Sie beantragen den Mahnbescheid. Die Gerichtsgebühr beträgt 0,5 Gebühren nach dem Streitwert, mindestens 38 Euro (Nr. 1100 KV GKG).[6]
- Das Gericht stellt ihn dem Kunden zu. Der Kunde kann innerhalb von zwei Wochen widersprechen (§ 692 Abs. 1 Nr. 3 ZPO).[4]
- Ohne Widerspruch beantragen Sie den Vollstreckungsbescheid. Mit ihm können Sie vollstrecken lassen.
- Mit Widerspruch geht die Sache auf Antrag in ein normales Gerichtsverfahren über.
Der Mahnbescheid hemmt die Verjährung (§ 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB). Forderungen verjähren in der Regel nach drei Jahren, gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem sie entstanden sind (§§ 195, 199 BGB). Eine Rechnung aus 2026 verjährt also meist mit Ablauf des 31. Dezember 2029.[1]
Mahnungen mit Taktwert
Taktwert ist eine Desktop-App für Windows und Mac, ohne Cloud. Aus einer offenen Rechnung erstellt Taktwert eine Zahlungserinnerung, eine 1. und eine 2. Mahnung als PDF, mit Verzugszinsen und bei Unternehmen mit der 40-Euro-Pauschale. Ob bezahlt wurde, sehen Sie über den Abgleich mit dem Kontoauszug: Sie laden eine Datei als camt.053, MT940 oder CSV, Taktwert schlägt die passende Rechnung vor, Sie bestätigen.
Was Taktwert nicht kann: Ein gerichtliches Mahnverfahren starten Sie nicht aus der App, sondern über das Portal der Justiz. Eine Online-Verbindung zur Bank gibt es nicht. Für eine Person ist Taktwert kostenlos, Premium kostet 39 € je Platz und Jahr zzgl. USt. Vergleiche finden Sie für Clockodo, DATEV, TimeTac und timr.
Häufige Fragen
Wie viele Mahnungen muss ich schreiben?
Keine bestimmte Zahl. Eine Mahnung nach Fälligkeit reicht für den Verzug, bei Unternehmen tritt er nach 30 Tagen sogar ohne Mahnung ein. Üblich sind eine Zahlungserinnerung und zwei Mahnungen.
Wie hoch ist der Basiszinssatz im Oktober 2026?
1,52 %, gültig seit 1. Juli 2026 laut Deutscher Bundesbank. Die Verzugszinsen betragen damit 6,52 % bei Verbrauchern und 10,52 % zwischen Unternehmen.
Darf ich Mahngebühren verlangen?
Von Unternehmen die Pauschale von 40 Euro nach § 288 Abs. 5 BGB. Von Verbrauchern nur tatsächliche Kosten wie Porto, und erst für Schreiben nach Eintritt des Verzugs.
Gilt die 30-Tage-Regel auch bei Privatkunden?
Nur, wenn die Rechnung ausdrücklich darauf hinweist, dass der Kunde 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang in Verzug kommt. Fehlt der Hinweis, beginnt der Verzug erst mit einer Mahnung.
Was kostet ein Mahnbescheid?
Die Gerichtsgebühr beträgt eine halbe Gebühr nach dem Streitwert, mindestens 38 Euro. Einen Anwalt brauchen Sie dafür nicht. Die Gerichtskosten machen Sie im Mahnbescheid gegen den Schuldner mit geltend.
Weitere Ratgeber
Quellen
Stand: Oktober 2026. Abgerufen am 8. Oktober 2026.
- Bürgerliches Gesetzbuch, §§ 195, 199, 204, 247, 286, 288, 289: gesetze-im-internet.de/bgb
- Deutsche Bundesbank, Basiszinssatz: bundesbank.de/de/bundesbank/organisation/agb-und-regelungen/basiszinssatz-607820
- Deutsche Bundesbank, Bekanntgabe des Basiszinssatzes zum 1. Juli 2026: bundesbank.de, Pressemitteilung
- Zivilprozessordnung, §§ 688 ff., 692: gesetze-im-internet.de/zpo
- Online-Mahnantrag der Mahngerichte: online-mahnantrag.de
- Gerichtskostengesetz, Anlage 1, Nr. 1100: gesetze-im-internet.de/gkg_2004/anlage_1.html
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